Arbeitszeitmodelle

Die wichtigsten Begriffe im Zeitmanagement

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Auch in deutschen Unternehmen gewinnen flexible Arbeitszeitmodelle an Bedeutung. Viele Arbeitnehmer wünschen sich flexible Arbeitszeiten, um ihre Work-Life-Balance so optimal wie möglich zu gestalten. Den allgemeinen Rahmen für die Gestaltung der Arbeitszeit geben das Arbeitszeitgesetz und für bestimmte Arbeitnehmergruppen auch weitere gesetzliche Regelungen vor. In der Praxis werden jedoch heute zahlreiche unterschiedliche Arbeitszeitmodelle angewendet.

Was gibt es für Arbeitszeitmodelle?

Arbeitszeitmodelle sind Vereinbarungen zwischen Unternehmen und ihren Mitarbeitern zur Festlegung der Arbeitszeit. Sie werden im Rahmen der individuellen Arbeitsverträge oder durch Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen getroffen. Geregelt werden durch ein Arbeitszeitmodell die tägliche, wöchentliche, monatliche oder auch die jährliche Arbeitszeit von Arbeitnehmern. Vom Grundsatz her dienen Arbeitszeitmodelle dazu, die unterschiedlichen Interessen zwischen Arbeitgebern und ihren Mitarbeitern auszugleichen: Unternehmen müssen wissen, wann ihre Angestellten anwesend sind oder ihre Tätigkeit an einem externen Arbeitsort erbringen, um ihre Funktionsfähigkeit zu erhalten. In vielen Firmen ist dafür auch eine detaillierte Einsatzplanung nötig. Arbeitnehmer sind zum einen an einer verlässlichen und planbaren Arbeitszeitregelung interessiert. Zum anderen wünschen sich viele Mitarbeiter möglichst hohe Flexibilität in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit.

Relevante Arbeitszeitmodelle sind:  

  • Festgelegte Arbeitszeiten in Vollzeit oder Teilzeit

Zwei übergreifende Arbeitszeitmodelle sind Vollzeit- oder Teilzeitarbeit. Im Hinblick auf die Gestaltung der Arbeitszeit lassen sich die Arbeit auf einer Vollzeitstelle oder mit reduzierter Stundenzahl allerdings sehr unterschiedlich organisieren.

  • Schichtarbeit

Bei Schichtarbeit erbringen Mitarbeiter ihre Arbeitsleistung zu wechselnden Tageszeiten. Der Arbeitstag wird dabei in Wechselschichten aufgeteilt, die laut Arbeitszeitgesetz im Regelfall acht oder maximal zehn Stunden dauern dürfen. Um flexible Arbeitszeitmodelle handelt es sich dabei in vielen Fällen nicht, da die Schichten in festgelegten zeitlichen Intervallen wechseln. Schichtarbeit ist beispielsweise in der Produktion, aber auch im Gesundheitswesen, an Flughäfen, bei Verkehrsbetrieben und im Handel üblich.

  • Nachtarbeit

Nachtarbeit kommt vor allem in Unternehmen vor, die auch Schichtarbeit betreiben. Zum Teil werden hierdurch auch Tätigkeiten abgedeckt, die nur nachts erfolgen können. Flexibilisierung steht auch bei Nachtarbeit in der Regel nicht im Fokus, den Unternehmen geht es dabei meist vor allem darum, alle relevanten Arbeitsstunden abzudecken.

  • Gleitzeit

Gleitzeit ist die häufigste Variante einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Arbeitnehmer können über den Zeitpunkt ihres Arbeitsbeginns und des Arbeitsendes innerhalb bestimmter Grenzen frei bestimmen. Viele Unternehmen legen im Rahmen ihrer Gleitzeitregelungen eine Kernarbeitszeit fest, in der für alle Mitarbeiter Anwesenheitspflicht an ihrem Arbeitsplatz besteht. In den Gleitphasen vor und nach den Kernarbeitszeiten entscheiden die Mitarbeiter selbst, wann sie kommen oder gehen. Von Gleitzeit profitieren Unternehmen, da Arbeitnehmer dann arbeiten, wenn sie tatsächlich Aufgaben zu erledigen haben. Für die Mitarbeiter schafft Gleitzeit im Vergleich zu starren Arbeitszeiten einen besseren Rahmen für die Verbindung von Beruflichem und Privatem.

  • Funktionszeit

Funktionszeit ist ein flexibles Arbeitszeitmodell und in der Regel eine spezielle Form der Gleitzeit. Dabei sprechen sich Teams untereinander im Hinblick auf ihre Anwesenheitszeiten im Unternehmen ab. Die Funktionszeit wird auch als „teamautonome Arbeitszeit“ oder „variable Arbeitszeit“ bezeichnet. Kernarbeitszeiten gibt es dabei nicht. Entscheidend ist, dass die Arbeitszeiten innerhalb des Teams so geregelt werden, dass die Erledigung der Arbeitsaufgaben nicht darunter leidet. In der Verantwortung der Arbeitsgruppe liegt es auch, die Urlaubszeiten zu gestalten oder – im Rahmen von Homeoffice-Lösungen – Präsenztage im Unternehmen festzulegen. Funktionszeit ist beispielsweise für Banken, Versicherungen, den öffentlichen Dienst und generell für Unternehmen mit fortlaufenden Kundenkontakten ein praktikables Arbeitszeitmodell.

  • Vertrauensarbeitszeit

Unternehmen, die Vertrauensarbeitszeit gewähren, verzichten auf die Zeiterfassung ihrer Mitarbeiter. Diese bestimmen selbst über Beginn und Ende ihres Arbeitstages. Entscheidend ist, dass sie ihre Arbeitsaufgaben erfüllen und in der Lage sind, dabei Absprachen und vorgegebene Deadlines einzuhalten. Mitarbeiter können ihren Arbeitstag entsprechend ihren persönlichen Interessen strukturieren. Aufgrund der fehlenden Arbeitszeiterfassung wird Mehrarbeit bei diesem Arbeitszeitmodell allerdings in der Regel nicht vergütet. Aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EUGH) aus dem Jahr 2019 ist Vertrauensarbeitszeit jedoch nicht mehr in ihrer bisherigen Form möglich, da alle Unternehmen innerhalb der EU künftig zu einer lückenlosen Aufzeichnung der Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter verpflichtet sind.

  • Rufbereitschaft

Rufbereitschaft spielte ursprünglich vor allem in Berufen eine Rolle, zu denen die Betreuung von Notfällen gehört. Der Mitarbeiter hält sich dabei nicht zwangsläufig am Arbeitsort auf, muss jedoch auf Abruf zur Verfügung stehen. Heute setzen Unternehmen Rufbereitschaft zum Teil auch in anderen Bereichen ein, um unvorhergesehenen Arbeitsaufwand abzufangen. Dafür greifen sie oft auf Freelancer oder auf Mitarbeiter in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen zurück. Einige Firmen nutzen das Modell heute auch im Rahmen sehr flexibler Schichtplanungssysteme. Rufbereitschaft ist ein kapazitätsorientiertes Arbeitszeitmodell, das Unternehmen und Mitarbeitern oder Freelancern maximale Flexibilität ermöglicht. Davon zu unterscheiden sind Bereitschaftsdienste, bei denen Anwesenheitspflicht im Unternehmen besteht.

  • Homeoffice

Homeoffice ist eine Form der Telearbeit, bei denen Mitarbeiter ihre Arbeitsaufgaben entweder vollständig von zu Hause aus erledigen oder an Präsenztagen in die Firma kommen. Ob die Arbeitszeit im Homeoffice starr oder flexibel geregelt wird, hängt von den Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ab. Auch Gleitzeit und Kernarbeitszeiten sind in diesem Rahmen möglich – die Arbeitszeiterfassung erfolgt dann auf digitalem Weg. Bei klassischem Homeoffice verfügt der Arbeitnehmer zu Hause über einen vollständig ausgestatteten Arbeitsplatz, bei dessen Einrichtung auch die gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes eingehalten werden müssen.

  • Mobile Arbeit

Im Gegensatz zu Homeoffice entscheiden Arbeitnehmer bei mobiler Arbeit über ihren Arbeitsort völlig frei. Damit ist für den Mitarbeiter auch sehr hohe zeitliche Flexibilität verbunden. Mit dem Unternehmen werden Arbeitsaufgaben, Deadlines, Erreichbarkeitszeiten und Präsenzpflichten  abgesprochen. Für die Gestaltung des Arbeitsplatzes gelten keine gesetzlichen Vorschriften, das Arbeitszeitgesetz muss jedoch eingehalten werden.

  • Jobsharing

Bei Jobsharing wird eine Vollzeitstelle in zwei Teilzeitstellen aufgeteilt. Arbeitszeiten und Präsenzpflichten werden zwischen den beiden Mitarbeitern und dem Arbeitgeber abgesprochen. In der Praxis ist dieses Arbeitszeitmodell noch nicht sehr weit verbreitet, gewinnt jedoch vor allem für Eltern in Führungspositionen an Bedeutung.

Was ist das beste Arbeitszeitmodell?

Auf diese Frage ist keine pauschale Antwort möglich. Nicht jedes Modell passt zu den Anforderungen des jeweiligen Arbeitgebers: Produzierende Unternehmen mit Schichtbetrieb müssen zum Teil eine durchgängige Bedienung von Maschinen und Anlagen sicherstellen und eine entsprechende Personaleinsatzplanung betreiben. Eine weitgehend freie Arbeitszeitgestaltung der Mitarbeiter ist dabei fast unmöglich. In Büro- und Dienstleistungsberufen sind flexible Arbeitszeiten in Form von Gleitzeit, Funktionszeit oder Vertrauensarbeitszeit dagegen in der Regel kein Problem.

Ebenso differenziert gestalten sich die Bedürfnisse von Arbeitnehmern. Eltern sind möglicherweise auf fixe Arbeitszeiten angewiesen, die sich an den Öffnungszeiten ihrer Kita orientieren. Anderen ist es wichtig, Beruf und Privates zeitlich flexibel miteinander zu integrieren.

Welche flexiblen Arbeitszeitmodelle gibt es?

Als flexible Arbeitszeitmodelle spielen in der Praxis vor allem Gleitzeit mit und ohne Kernarbeitszeit, Funktionszeit und – bisher noch – Vertrauensarbeitszeit eine Rolle. Homeoffice und mobile Arbeit werden in der Regel ebenfalls zeitlich flexibel ausgestaltet.

Teilzeit wird häufig ebenfalls den flexiblen Modellen zur Arbeitszeitgestaltung zugeordnet – hier kommt es jedoch auf die konkreten Arbeitszeitvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. Fixe Arbeitszeiten sind bei Teilzeit ebenso möglich wie Lösungen, in denen Arbeitnehmer die vereinbarten Arbeitsstunden weitgehend unabhängig auf verschiedene Arbeitstage und Arbeitszeiten verteilen können.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Etablierung flexibler Arbeitszeiten ist die Erfassung der geleisteten Arbeitsstunden auf einem Arbeitszeitkonto. Mehrarbeit wird auf dem Konto gutgeschrieben, weniger Stunden fallen als zeitliches Minus ins Gewicht. Der Ausgleich von Plus- und Minusstunden kann innerhalb verschiedener Zeiträume – wöchentlich, monatlich oder jährlich – erfolgen. Die Bedeutung der Jahresarbeitszeit als Grundlage einer flexiblen und individuellen Arbeitszeitgestaltung nimmt in den Unternehmen zu. Daneben gibt es auch sogenannte Zeitwertkonten oder Lebensarbeitszeitkonten. Sie ermöglichen, Mehrarbeit und andere Arbeitgeberleistungen (nicht genommene Urlaubstage, finanzielle Arbeitgeberleistungen) über einen längeren Zeitraum anzusparen und für ein Sabbatical, den Übergang in Altersteilzeit oder in den vorgezogenen Ruhestand zu nutzen.

Ist Vollzeit ein Arbeitszeitmodell?

Die Arbeit auf einer Vollzeitstelle ist ein übergreifendes Arbeitszeitmodell – eine Aussage über die Flexibilität der Arbeit ist damit zunächst nicht verbunden. Vollzeitarbeit kann bedeuten, einen klassischen 9-to-5-Job auszuüben. Ebenso ist es möglich, sie mit verschiedenen flexiblen Arbeitszeitmodellen zu kombinieren.

Wie lange sollte man pro Tag arbeiten?

Wie lange Arbeitnehmer pro Tag arbeiten sollen – und auch dürfen – wird durch individuelle Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge geregelt. Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung der Arbeitszeit im Rahmen der verschiedenen Arbeitszeitmodelle gibt das Arbeitszeitgesetz dafür den allgemeinen Rahmen vor. Die tägliche Regelarbeitszeit beläuft sich demnach auf acht Stunden. Arbeitszeiten von bis zu zehn Stunden täglich sind zulässig, wenn innerhalb von 24 Wochen/sechs Kalendermonaten ein zeitlicher oder finanzieller Ausgleich der Mehrarbeit erfolgt. Längere Arbeitszeiten von bis zu zwölf Stunden sind aufgrund tarifvertraglicher Vereinbarungen, mit behördlicher Genehmigung sowie in Notfällen möglich, wenn der Ausgleich der Mehrarbeit innerhalb der gesetzlich oder tarifvertraglich vorgeschriebenen Fristen vorgenommen wird. Eine Ausnahme bildet hier ein Lebensarbeitszeitkonto, auf das diese Ausgleichsfristen nicht angewendet werden. Die meisten Beschäftigten in Deutschland haben Arbeitsverträge, in denen bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden täglich acht Arbeitsstunden vorgesehen sind.

Wie lang ist die Arbeitszeit in Schichten?

Für die Arbeitszeit in Schichten gelten ebenfalls die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes. In der Praxis haben Unternehmen im Rahmen dieser Grenzen jedoch ebenso wie bei anderen Arbeitsformen großen Spielraum. Beispiele dafür sind Firmen mit einer Schicht- und Einsatzplanung, bei der die monatliche oder wöchentliche Arbeitszeit flexibel ausgestaltet wird. Zum Ziel können die Mitarbeiter dabei zwischen unterschiedlichen Flexibilitätsmodellen wählen.

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